Kooperation mit der
Heismann Drehtechnik GmbH
Heismann Drehtechnik GmbH
Talstraße 73
42551 Velbert
Die Tinte ist getrocknet. Seit dem 22. August sind das Berufskolleg Niederberg und die Heismann Drehtechnik GmbH aus Velbert offiziell Kooperationspartner. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch, dass Sabine Bauer am Tag der Unterzeichnung mit dem Geschäftsführer des Unternehmens Martin Gawenda und dem Schuleiter des Berufskollegs Niederberg Frank Flanze geführt hat:
SB: Wir, das Berufskolleg Niederberg, freuen uns sehr über diese Kooperation und auf all das, was wir jetzt gemeinsam mit Ihnen gestalten werden. Damit unsere Schülerinnen und Schüler sich ein Bild machen können: Wer ist die Firma Heismann Drehtechnik GmbH, Herr Gawenda?
MG: Wir von Heismann sind ebenfalls voller Vorfreude auf hoffentlich zahlreiche gemeinsame Aktionen. Uns gibt es tatsächlich schon seit 1918, also seit 106 Jahren. Wir sind Experten in der Herstellung von Drehteilen. Das sind zylinderartige Objekte, wie man sie beispielsweise in Motoren, Getrieben oder Kupplungen findet. Damit beliefern wir unterschiedliche Industriezweige. Unsere Mitarbeitenden werden intensiv und nach neuesten Standards geschult. Ihr Knowhow ist es, dass es uns ermöglicht, hocheffizient zu produzieren. Zum Teil kommt Robotertechnik zum Einsatz. Außerdem entwerfen, konstruieren und fertigen wir auch unsere eigenen Werkzeuge selbst.
SB: Sie sprechen davon, dass Ihre Mitarbeitenden intensiv geschult werden. Das schließt Auszubildende sicherlich ein. Wieviel Azubis haben Sie im Moment?
MG: Derzeit sind es zwölf. Sieben arbeiten im Bereich Zerspanungsmechanik, einer in der Logistikabteilung, ein weiterer im Bereich Mechatronik. Und wir haben noch Bedarf: Gerne würden wir noch einen weiteren Mechatroniker und einen Maschinen- und Anlageführer ausbilden. Außerdem haben wir noch vier angehende Industriekaufleute, die gute Arbeit leisten. Sie alle sind Berufsschüler am BkN.
FF: Ja, die Firma Heismann und wir, das BkN, kennen uns schon seit vielen Jahren über die Auszubildenden, die dann bei uns zur Schule gehen. Jetzt, wo wir eng kooperieren, wird es auch all unseren Vollzeitschülerinnen und -schülern möglich sein, schon im Vorfeld einer möglichen Ausbildung Kontakt zu Heismann aufzubauen.
SB: Wie kann das geschehen?
MG: Wir planen regelmäßige Betriebsbesichtigungen für interessierte Schülerinnen und Schüler. Außerdem bieten wir Praktika von einem Tag bis zu 4 Wochen an. So können wir uns gegenseitig kennenlernen. Viele Schüler absolvieren ja zunächst ein Praktikum in einer Firma, schnuppern also erstmal hinein und entscheiden sich dann für eine Ausbildung. Ich selbst habe während meiner Schulzeit ein Praktikum in einer metallverarbeitenden Firma in Köln gemacht und in diesen Wochen gemerkt, dass ich es total spannend finde, wie Produkte entstehen, also angefertigt werden. Die praktische Umsetzung von Ideen ist, das habe ich damals begriffen, die eigentliche Herausforderung. Weniger die Theorie.
FF: Zudem stehen den Studierenden unserer Fachschule für Technik die Türen der Firma Heismann für Fachgespräche und einen Informationsaustausch immer offen, und nicht nur das. Wenn es um die großen Projektarbeiten geht, bietet Heismann ab sofort Aufgabenstellungen im Unternehmen an. Für unsere Studierenden ist das ein großer Plus.
SB: Was, denken Sie Herr Flanze, ist den Schülerinnen und Schülern heute wichtig, wenn sie einen Ausbildungsplatz suchen?
FF: Also das Geld ist es meist nicht! Wenn Eltern, Verwandte oder Freunde in einer Firma arbeiten, die den Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenbringt und sie fördert, wenn sie für interessante Arbeit gutes Geld bekommen und das Betriebsklima stimmt, dann wird darüber auch im privaten Umfeld gesprochen. Das hat dann oft eine große Zugkraft für die Jugendlichen. Heismann ist so eine Firma.
MG: (Lächelnd) Vielen Dank. Ja, wir bemühen uns, für all unsere Mitarbeitenden ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Letztendlich können wir aber nur die Rahmenbedingungen schaffen. Unsere Mitarbeitenden selbst sind es, die das Unternehmen nach innen und außen zum Erfolg führen.
SB: … und die Entscheidungen, die Sie als Geschäftsführer für Ihre Firma treffen. Viele unserer Schülerinnen und Schüler interessiert sicherlich Ihr persönlicher Werdegang. Wie hat sich Ihr Interesse an technischen Zusammenhängen entwickelt?
MG: Ich habe schon als Kind alles auseinandergeschraubt, um herauszufinden, wie die Dinge funktionieren. Dann habe ich es wieder zusammengeschraubt. Oft mit Erfolg, manchmal blieb auch ein Teil übrig… Ich hatte eine Hercules GT, der Traum eines jeden Schraubers. Ich glaube, da entstand meine Leidenschaft für technische Zusammenhänge.
SB: Sie sind 39 Jahre alt und Geschäftsführer eines etablierten, weltweit agierenden Unternehmens, eine Erfolgsgeschichte also, kann man sagen. Wie sind sie dort angekommen, wo Sie heute sind? Gab es auch herausfordernde Zeiten auf dem Weg nach oben?
MG: Absolut! Nach meinem Studium an der RWTH in Aachen habe ich sieben Jahre bei General Electric in Köln gearbeitet. Eine tolle Zeit, aber dann gab es firmeninterne Veränderungen. Das Betriebsklima, von dem Herr Flanze gerade sprach, wandelte sich. Ich ging und machte mich als Berater selbstständig. Viele Initiativbewerbungen habe ich geschrieben, um mit Unternehmen in Kontakt zu kommen. Das war mühsam, aber ich habe mich durchgebissen, nicht aufgegeben und war am Ende erfolgreich. Auch bei Heismann Drehtechnik habe ich zunächst als Berater angefangen, bevor man mich dann 2020 zum Geschäftsführer benannt hat. Man muss einen Schritt nach dem anderen tun. Aber eben auch tun.
SB: Welche konkreten Pläne gibt es für eine künftige Zusammenarbeit mit dem BkN?
FF: Am Freitag geht’s schon los. Da wird Heismann Drehtechnik einige unserer Technikklassen besuchen, um mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
SB: Das ist gelebte Kooperation. Herzlichen Dank für das Gespräch.
Nachtrag:
Nach dem Interview erreichte uns die Nachricht, dass die Heismann Drehtechnik GmbH nun auch Mitglied unseres Fördervereins ist, und damit schulinterne Projekte und Fördermaßnahmen finanziell unterstützt.